Das erste Nürnberger Planetarium

und dessen Abriss durch die Nationalsozialisten

 

Die wenigsten Nürnbergerinnen und Nürnberger wissen es: Am 10. April 1927 wurde im eingeebneten Stadtgraben nahe dem Wöhrder Tor das erste Nürnberger Planetarium als eines der ersten modernen Planetarien weltweit eröffnet. Es stand jedoch von Anfang an unter keinem glücklichen Stern. Bereits während der Errichtung sahen sich die Befürworter den Anfeindungen rechter Kreise ausgesetzt. Zählte die Einrichtung im ersten Betriebsjahr noch stolze 55.000 Besucher in 810 Veranstaltungen, so gingen in den folgenden Jahren der Weltwirtschaftskrise die Besucherzahlen – auch wegen der Kürzung des Werbeetats – dramatisch zurück. Gleichzeitig störten sich die immer mehr an Einfluss gewinnenden Nationalsozialisten zunehmend an diesem Produkt "marxistischer Vetterleswirtschaft", so der damalige Oberbürgermeister Liebel. Ende Dezember 1933 erfolgte die Schließung und bereits zwei Monate später fasste der nationalsozialistische Stadtrat, auch auf Betreiben des antisemitischen Hetzers und Gauleiters Julius Streicher, den Beschluss, das als architektonischer "Missgriff" diffamierte Gebäude abreißen zu lassen.

Die Nürnberger Astronomische Gesellschaft, die sich unter anderem der Bewahrung der astronomisch-naturwissenschaftlichen Tradition in der Metropolregion Nürnberg verpflichtet fühlt, möchte mit einer Gedenktafel an der Umspannanlage der N-ERGIE am Rathenauplatz die Erinnerung wachhalten an diese äußerst fortschrittliche Volksbildungseinrichtung des frühen 20. Jahrhunderts, zumal von dieser Stelle auch der Nürnberger Astronomieweg seinen Ausgang nimmt.